Im Städtedreieck Köln, Aachen und Mönchengladbach trifft jahrhundertelanger Raubbau an der Natur auf lauten und bunten Widerstand gegen die Braunkohleverstromung. Ein geschundenes Land, das nun, wo der Kohleausstieg für NRW feststeht, endlich heilen kann. Wo die größten Bagger der Welt seit Jahrzehnten das Land umgraben, erkunden Sie eine eher ungewöhnliche Reisedestination, die mit vielen Überraschungen und unvergesslichen Eindrücken aufwartet. Es geht vorbei an verlegten Flüssen, verschwundenen Autobahnen, geretteten Dörfern und auf den größten künstlichen Berg der Welt.
Unterkunft: Stadthotel Jülich. Das Hotel liegt zentral und idyllisch in der Jülicher Fußgängerzone und verbindet klassische Architektur mit modernem Ambiente. Jedes Zimmer ist ausgestattet mit Dusche, WC, Kühlschrank, WLAN und TV. Das Frühstücksbuffet ist vielfältig – es gibt frisches Obst, verschiedene Sorten Brot und Brötchen, vegetarische Aufstriche, Pflanzenmilch, Käse, Joghurt, Müsli und eine Auswahl an Gemüse. Das Hotel legt Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie, weshalb kürzlich eine moderne Heizungsanlage installiert wurde, die besonders energieeffizient arbeitet. Beim Frühstück werden vorzugsweise frische und regionale Lebensmittel verwendet und es wird auf abgepackte Produkte verzichtet, um den Einsatz von Plastik und Verpackungsmaterial zu minimieren. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.stadthotel-juelich.de/de.
Anreise: Jülich. Mehr Informationen finden Sie unter dem Reiter "Anreise".
Hinweise zu den Fahrrädern und Fahrradtouren: Im Reisepreis sind keine Fahrräder inkludiert. Sie können Ihr eigenes Fahrrad mitbringen oder ein E-Bike ausleihen (115 Euro für drei Tage; bitte bei Anmeldung angeben). Wir haben die Schwierigkeit der Touren mit 2-3 eingeschätzt, da Sie pro Tag etwa vier Stunden mit dem Fahrrad unterwegs sind (selbstverständlich plus Pausen). Diese Schwierigkeitsstufe bezieht sich auf die Fahrten mit einem normalen Fahrrad; sollten Sie mit einem E-Bike unterwegs sein, handelt es sich eher um Schwierigkeitsstufe 2. Da Sie jeden Tag Fahrrad fahren, ist Fahrradkleidung (Fahrradhosen mit Sitzpolsterung sowie atmungsaktive Shirts) notwendig.
1. Tag: Anreise
Individuelle Anreise nach Jülich bis 17:30 Uhr. Empfang durch die Reiseleitung um 18:00 Uhr. Anschließend Vorstellungsrunde und Kurzvortrag zur Geschichte der Region und zum Braunkohleabbau bei einem gemeinsamen Abendessen in der Trattoria Rossini (Selbstzahlung).
2. Tag: Der Tagebau Inden – Der „kleinste“ Tagebau im Grubenland
Unsere heutige Radtour beginnt gemächlich entlang der idyllischen Rur, bevor wir in Richtung Tagebau Inden abbiegen – hinein in eine Landschaft, die sich durch den Braunkohleabbau tiefgreifend verändert hat. Nicht nur ganze Dörfer mussten dem Tagebau weichen, auch der Fluss Inde wurde umgeleitet und erhielt ein neues, etwa zehn Kilometer langes Flussbett. Wir folgen diesem neu geschaffenen Flusslauf, der zeigt, wie stark der Mensch hier in die Natur eingreift – und wie Landschaft neu entstehen kann.
Anschließend besichtigen wir den umgesiedelten Ort Neu-Lohn und beschäftigen uns am künstlich angelegten Blausteinsee mit den Herausforderungen und Chancen, die auf die Region noch zukommen werden, wenn man nach dem Kohleausstieg aus den Tagebaurestlöchern die größten künstlichen Seen Deutschlands erschaffen will.
Nach einer gemütlichen Mittagspause in der Bäckerei Weisweiler erklimmen wir den markanten Indemann – ein 36 Meter hohes, begehbares Stahlkonstrukt in Form eines stilisierten Männchens, das inzwischen zum Wahrzeichen der Region geworden ist. Der Ausblick von oben reicht weit über die Landschaft – von alten Gruben bis hin zu neuen Perspektiven.
Am Nachmittag widmen wir uns erneut dem Thema Wasser, denn anschließend fahren wir zum ehemaligen Lucherberger See, der trockengelegt wurde, um Stück für Stück in der Grube zu verschwinden. Am Aussichtspunkt Merken werfen wir einen letzten Blick in den Tagebau Inden, bevor wir entspannt - größtenteils entlang der Rur - zum Hotel zurückradeln. (F)
45 km mit dem Fahrrad
3. Tag: Der Tagebau Hambach – Das größte Loch Europas
Wir nähern uns dem größten Loch Europas auf dem historischen Verlauf der Römerstraße, die einst Köln mit der Atlantikküste verband. Heute ist diese Route hier unterbrochen – denn in den 1980er Jahren fraß sich der Tagebau Hambach mitten hindurch. Wir weichen aus und umfahren dabei ein gewaltiges Zeugnis menschlicher Umgestaltung: Die Sophienhöhe, den größten von Menschen geschaffenen Berg der Welt. Hinter dieser imposanten Abraumhalde entdecken wir Spuren des in den 1980er Jahren verschwundenen Ortes Lich-Steinstraß. Weiter geht es zur Baustelle der Rheinwassertransportleitung. Hier entsteht eine Verbindung zum Rhein, durch die über Jahrzehnte Wasser in das Tagebaurestloch geleitet werden soll – mit dem Ziel, den größten künstlichen See Deutschlands zu schaffen. Am späten Vormittag erreichen wir den Aussichtspunkt Forum Terra Nova mit einem weiten Blick in den aktiven Tagebau. Anschließend verbringen wir unsere Mittagspause im Restaurant direkt vor Ort – mit Aussicht auf Vergangenheit und Zukunft zugleich.
Am Nachmittag führt uns die Reise zur Wüstung Manheim. Vom ehemals 1.700 Einwohner*innen zählenden Dorf sind heute nur noch ein paar Häuser und die Kirche übrig. Im benachbarten Dorf Bürgewald (ehemals Morschenich), einem Ort, der nach vielen Jahren des Bangens schließlich doch erhalten bleiben wird, treffen wir den bereits umgesiedelten Künstler und Dorfchronisten Bernd Servos. Er nimmt uns mit auf einen sehr persönlichen Rundgang durch seine Heimat. Was bedeutet es, für die Braunkohle sein Zuhause zu verlassen und was macht das mit Einem, wenn die Umsiedlung – wie im Fall von Bürgewald – umsonst war? Bernd steht uns Rede und Antwort. Seine Erzählungen, ergänzt durch zahlreiche historische Fotos, machen Geschichte lebendig.
Zum Abschluss besuchen wir den Hambacher Wald, der über Jahre hinweg zum Symbol für den Widerstand gegen die Braunkohle geworden ist. Wir werfen einen Blick auf diesen besonderen Ort, der überregional Aufmerksamkeit erregt hat – als Zeichen für Natur- und Klimaschutz. Ein letzter Stopp führt uns zur Verladestelle der Hambachbahn, wo die Kohlezüge wie von Geisterhand beladen werden. Danach geht es durch grüne Landschaften zurück zu unserem Hotel – voller Eindrücke von einer Region im ständigen Wandel. (F)
65 km mit dem Fahrrad
4. Tag: Die Rekultivierung und ein Blick in die Erdgeschichte
Heute geht es hoch hinaus! Am Fuße der Sophienhöhe – dem größten menschengemachten Berg der Welt – treffen wir auf den Geologen und Buchautoren Sven von Loga, der uns den Vormittag über fachkundig begleiten wird. Gemeinsam fahren wir hinauf auf das weitläufige Plateau der Sophienhöhe, das sich über mehr als 15 Quadratkilometer erstreckt und bis zu 200 Meter in die Höhe ragt. Während wir die neu geschaffene Landschaft durchqueren, gibt Sven von Loga faszinierende Einblicke in die Erdgeschichte der Region – zurück bis vor rund 30 Millionen Jahren, als im Rheinland die Braunkohle entstand. Mit etwas Glück können wir sogar einen der riesigen Absetzer in Aktion beobachten – Maschinen, die Stück für Stück das neue Land formen.
Für unsere Mittagspause lassen wir uns auf der Sophienhöhe zu einem gemütlichen Picknick in der Natur nieder – den Proviant dafür kaufen wir gemeinsam vor der Tour ein. Ein Moment zum Innehalten und Genießen, mit weitem Blick über eine sich stetig wandelnde Landschaft.
Am frühen Nachmittag kehren wir zurück ins Hotel. Der restliche Tag steht Ihnen zur freien Verfügung: Wer möchte, kann eine entspannte, individuelle Radtour entlang des Rurufer-Radwegs unternehmen oder sich mit dem Reiseleiter auf einen kleinen Ausflug zum umgesiedelten Dorf Neu-Lich-Steinstraß begeben – ein Ort zwischen Erinnerung und Neuanfang. (F)
Sophienhöhe-Tour am Vormittag: 30 km mit dem Fahrrad, ↑ ca. 250 Höhenmeter, ↓ ca. 250 Höhenmeter
5. Tag: Heimreise
Frühstück im Hotel. Nach einer gemeinsamen Abschluss- und Reflexionsrunde findet eine Besichtigung der Zitadelle Jülich statt. Ab 12:30 Uhr erfolgt die individuelle Heimreise. (F)
Wetterbedingte oder durch sonstige, unvorhersehbare Ereignisse notwendige Programmumstellungen müssen wir uns vorbehalten!
Anreise: Jülich
Die Rurtalbahn sowie der Aachener Verkehrsverbund ermöglichen die Anbindung an Jülich aus Richtung Aachen, Köln, Mönchengladbach, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet kommend.
Aus anderen Städten Deutschlands wie Hamburg, Berlin, Stuttgart oder München erreicht man Jülich am besten mit Umstieg in Köln und Düren.
Vom Bahnhof Jülich sind es etwa 15 Minuten zu Fuß zum Hotel.